Eine Hommage an das Isargrillen

München und Berlin sind zwei Großstädte Deutschlands, aber ansonsten gleichen sich die beiden Städte kaum. Was die Einwohner jedoch gemeinsam haben, ist ihre Begeisterung für’s öffentliche Grillen. Die Süddeutsche Zeitung hat gestern einen tollen Artikel über den Einzug des „Isargrillens“ in das Münchner Brauchtum veröffentlicht. Genau wie in Berlin sind es vor allem die neu Zugezogenen – die Kölner, Hamburger und Istanbuler – die die neue Grilltradition eingeführt haben. Während es in Berlin jedoch immer wieder Ärger gibt, aufgrund des Tiergartenmülls der Griller, scheint in München alles ganz idyllisch zu verlaufen. Die Stadtverwaltung hat eine strenge Grillzonenregelung für die Isarauen durchgesetzt. Seitdem laufen Grillwächter rum, um zu kontrollieren, dass der Abfall nicht liegen bleibt. Außerdem hat die Regelung paradoxerweise bei den Münchnern das Interesse am öffentlichen Grillen geweckt. „Denn sobald etwas limitiert und damit exklusiv wird, möchten die Münchner auch dabei sein, das ist das alte Türsteher-Gen.“

Grillsheriffs für den Tiergarten?

Die Zeit hat in ihrer Ausgabe vom 20. August 2009 ein interessantes Dossier über den Grillstreit in Berlin rausgebracht. Seitdem das Grillen im Berliner Tiergarten 1997 ausdrücklich erlaubt wurde, kommt es alljährlich aufgrund des Grillabfalls zu heftigen Protesten. 1999 hat der Berliner Umweltsenator Flugblätter mit einer Grillordnung verteilt, damit es nicht aussehe "wie Sau". Im Mai diesen Jahres wurde die Debatte mit Beginn der Grillsaison erneut angeregt, u.a. durch den Vorschlag des CDU-Fraktionsvositzenden Uwe Götze einen privaten Sicherheitsdienst im Tiergarten durch eine Grillabgabe von 5 Euro pro Grillplatz zu finanzieren. Es stimmt schon, die Leute tragen nicht nur sämtliches Gartenzubehör aus Berlin in den Tiergarten, sondern leider auch Wegwerfartikel, die dann auch wild weggeworfen werden. In ihrem Artikel macht Stefanie Flamm jedoch deutlich, dass mehr hinter dem Grillstreit steckt als nur die Sorge um die Umwelt. Denn es sind vor allem Migranten, die am Wochenende mit Kind und Kegel den Tiergarten aufsuchen und ihn zu ihrem „öffentlichen Wohnzimmer“ machen. Der Protest einiger Politiker und vieler Anwohner rühre demnach womöglich daher, dass diese Personen (noch) nicht akzeptiert hätten, dass sie in einem Einwanderungsland leben. So lautet zumindest die These von Stefanie Flamm.

Während sie  nur wahrnehmen, dass „ihr“ Tiergarten mit der Flut der Migranten unordentlicher und schmutziger geworden ist, meinen andere, wie der Baustadtrat Gothe, dass das Grillen im Park ein „Symbol gelebter Integration“ sei. Doch ob es sich wirklich um Integration handelt, ist strittig, wenn man bedenkt, dass die Migranten meist unter sich bleiben und zudem ihren Abfall liegen lassen. „Kann es sein“, fragt Stefanie Flamm, „dass der Tiergarten ein Raum ist, den die Stadt den Migranten gibt, damit jeder sieht, dass sie sich kümmert? Und schickt die Stadt vielleicht deshalb so geduldig jeden Morgen Putzkolonnen vorbei, damit niemand merkt, dass mit der gelebten Integration einiges nicht stimmt?“.

Aysie Henki bedeutet das Grillen im Tiergarten jedenfalls viel. Anfangs sei ihr Deutschland kalt vorgekommen, da sie ohne Verwandte oder Freunde, und ohne Garten oder Balkon da stand. Erst durch das gemeinschaftliche Grillen im schönen Tiergarten habe sie sich Deutschland als Heimat vorstellen können.

Grillverbot im Tiergarten?

Mit seiner Forderung ein Grillverbot im Großen Tiergarten in Berlin durch zu setzen hat Stadtrat Spallek erneut die Diskussion über verdreckte Parks und hohe Kosten für die Müllentsorgung entfacht. Nach den Ostertagen im April waren 15000 Euro für die Müllbeseitigung angefallen, weil Griller und Picknicker Pappteller, Bierflaschen und sogar Grills im Park liegen gelassen hatten.

Mit seinem Vorschlag möchte Spallek den Hobby-Grillern nicht den Sommer verderben, sondern Prioritäten in Zeiten der Wirtschaftskrise setzen, wie er in einem Interview des Tagesspiegels erklärt. Sein Bezirk Mitte habe einen Sparkurs eingeschlagen und soziale Einrichtungen wie z.B. Umweltzentren schließen müssen. In solch einer Lage könne es nicht sein, dass der Bezirk den Dreck der Griller für 15000 Euro wegräumen müsse

Grillfrust in Berlin

Sylvia Vogt vom Tagesspiegel äußerte sich jüngst sehr abfällig über die Lust der Berliner am Grillen und bezeichnet diese in Ihrem Artikel sogar als Grill-Wahn. Man kann natürlich verstehen, dass ein verqualmter Park , Heerscharen von Leuten mit Stapelstühlen und entsprechende Hinterlassenschaften in Form von Müll nicht gerade auf Gegenliebe stoßen, aber was ist denn bitte am Grillen in öffentlichen Parks grundsätzlich so verkehrt?

Die Kommentare der Leserschaft sind dementsprechend ambivalent und einer bringt es auf den Punkt. Nicht jeder hat einen Garten zum Grillen. Insofern unser Apell an Befürworter und Gegner des Grillens:  einigt euch und nehmt etwas Rücksicht aufeinander, dann ist jedem gedient. Und man sollte sich auch immer die Frage stellen, ob es nicht sinnvoll ist, halb so oft zu grillen, aber dafür doppelt so gut.