Germanisches Brachialgrillen

Heute pocht man auf höchstes Reinheitsgebot bei der Herstellung von Bratwürsten. Im ersten deutschen Bratwurstmuseum wird einem jedoch das (einstige) „germanische Brachialgrillen“ vor Augen geführt. Eine realsozialistische Wurst konnte niemals kaputt gegrillt werden, „so fett war sie“ erklärt Steffen Gerth in seinem Artikel Grillen fürs Seelenheil.“Und weil dieses Fett wie ein Wasserfall in die Glut troff, schütteten die Väter in Rippenunterhemden wie Feuerwehrmänner ständig Bier ins Feuer, um die hysterisch züngelnden Flammen zu bändigen.“

„Diese Art des Grillens ist die deutscheste Version des Fleischverzehrs. Einfache Zubereitung, rasante Sättigung – berechenbarer Lustgewinn. Eine Wurst, ein Brätel. Zwei, drei Bier dazu. Kräftiges Aufstoßen. Langes Ausruhen.“

Thomas Brinkmann, deutscher Grillkönig 2009, möchte die Deutschen weg von der Fress- und hin zur Genusskultur bringen. Der erste Schritt auf diesem Weg war für ihn die Entdeckung des Barbecue-Smokers, ein Gerät, das aussieht wie eine Lokomotive und mit dem man indirekt grillt, so dass kein Fett in die Glut tropft.